Aktualität Husserls II

2008/06/28

Der gestern erwähnte Aufsatz von Uwe Meixner, „Die Aktualität Husserls für die moderne Philosophie des Geistes“ (2003), ist ein begeistertes Plädoyer für den Transzendentalismus Husserlscher Prägung als philosophischer Grundhaltung. Meixner hat eigentlich nicht viel auszusetzen an Husserl, bis auf das eine, auf das er gegen Ende zu sprechen kommt: Die für die transzendentale Phänomenologie fundamentale These von der Bewusstseinsimmanenz der thematisierten Welt lasse sich angesichts des Konstitutionsproblems des alter ego nicht durchhalten, Husserl komme um das metaphysische Postulat eines bewusstseinstranszendenten Anderen nicht herum. Im Besonderen kritisiert Meixner, dass Husserl von einer „Erfahrung“ des Anderen spricht, obwohl Husserl deutlich mache, dass das analog appräsentierte alter ego niemals mir selbst präsent – als es selbst gegeben – sein kann; da aber der Husserlsche Erfahrungsbegriff gerade Selbstgegebenheit in der Evidenz bedeute, lasse sich hier nicht von „Erfahrung“ sprechen. 

Die aus der Darstellung Meixners zu entnehmenden Überlegungen Husserls finde ich zu diesem Punkt aber gerade sehr überzeugend: Ebenso wie in Bezug auf das Objekt geht es auch in Bezug auf den Anderen darum, dass sich der Seinssinn „Transzendenz des Anderen“ im Subjekt bewusstseinsimmanent aufbauen lässt, als sich entziehendes anderes Ich, dass sich stets nur in der Erfahrung eines „Fremden“ anzeigt. Es wird also nicht der Andere so erfahren, wie er sich selbst erfährt, sondern als Anderer; konstituiert wird nicht der Andere in seinem Selbstsein, sondern der Seinssinn „Andersheit“, der in der Erfahrung der Fremdheit liegt: der Erfahrung der Widerständigkeit eines x, dass sich mir nicht als es selbst gibt, in wie viele Horizonte ich es auch einstelle. Dies ist der Unterschied zum bloßen Gegenstand: auch dieser ist mir transzendent, indem er sich in keiner Perspektive ganz gibt; aber andererseits ist er in jeder Perspektive als er selbst gegeben. Dagegen gibt sich mir das alter ego niemals selbst bzw. muss man umgekehrt sagen: die Erfahrung, dass sich mir im angeblickten Körper etwas entzieht, ist der Grund dafür, von alter ego zu sprechen. Mehr als diese Fremdheit habe ich von ihm nicht – am „Objektpol“.

Mit dem sich derart in der Erfahrung anzeigenden alter ego haben wir aber nun die „transzendentale Intersubjektivität“, die wir für eine eigentliche Objektivität der weltlichen Gegenstände benötigen. Der Witz dabei ist: Das alter ego entzieht sich uns zwar als Gegenstand in der Welt, aber als fungierender „Subjektpol“ sind wir eins. Das kann man schon hinduistisch-buddhistisch ausdeuten…

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