Fichte ist möglicherweise heute (vielleicht aber nur für den phänomenologisch Denkenden) der unmittelbar Anschlussfähigste der klassischen deutschen Idealisten, und zwar weil er sich voll und ganz zur methodischen Reflexion bekennt. Dies sei umwegshaft verdeutlicht, indem ich eine terminologische Unterscheidung zwischen ‘Nachvollzug’ und ‘Mitvollzug’ vorschlage.

Das methodische Ideal Hegels und wohl auch Schellings (wahrscheinlich trotz allem sogar noch in dessen Spätphilosophie)  ist der ‘Nachvollzug’ des Absoluten, d.h. die mimetische Identifikation mit dem originären Vollzug des Absoluten (etwa durch Hervortretenlassen des der Sache selbst immanenten Denkens). Deshalb ist in diesem Denken methodisch die propädeutische ‘Standpunkterringung’ so entscheidend. Das ‘Nach-’ ist dabei nicht so sehr in seinem (für dieses Denken fatalen) zeitlichen Sinne, sondern im erwähnten mimetischen Sinne zu hören; der Nachvollzug kann also gelingen, indem er den originären Vollzug nachbildet. Dabei ist es ganz gleichgültig, ob der Nachvollzug methodisch durch eine intellektuelle Anschauung (früher Schelling) oder durch Identifizierung mit der absoluten Methode (Hegel) durchzuführen versucht wird; beide Weisen vollziehen genau den Schritt, den wir noch heute als ’spekulativ’ bezeichnen würden.

Bei Fichte – nichts dergleichen: Die reflexive Tätigkeit bleibt von der „absoluten Tätigkeit“ (des Ich bin) – man muss sagen: durch einen methodischen Hiatus –  getrennt, da die absolute Tätigkeit (die im 1. Grundsatz der Wissenschaftslehre ausgesprochen wird) in theoretischer Hinsicht immer nur als Voraussetzung erwiesen wird und niemals als deduktiver Ausgangspunkt in Anspruch genommen wird. Fichte stellt den 1. Grundsatz auf, ohne ihn als Grundsatz zu gebrauchen – seine Methode arbeitet nur mit dem 2. und 3. Grundsatz, wie er in aller wünschenswerten Deutlichkeit sagt (siehe den Schluss des 1. Teils der WL 1794). Der Reflexion geht es daher nur darum, den ihr immanenten  Grund – die vorausgesetzte absolute Tätigkeit – in seiner Vorausgesetztheit mitzuvollziehen (weil es nur darum geht, kann Fichte die Reihe der Antithesen und Synthesen offen belassen). Über dieses ‘Mit-’ wäre noch vieles zu sagen.

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