Schlag nach bei Habermas
2009/06/08
Zu seinem 80. Geburtstag ist Jürgen Habermas die Zielscheibe einer ziemlich üblen Diffamierung geworden: Die Autorin des unsäglichen gestrigen Radiobeitrags der Deutschlandfunk-Sendung „Essay und Diskurs“ (hier zum Hören, hier zum Nachlesen) heisst Sibylle Tönnies (die Enkelin des gleichnamigen Soziologen, der prominent das Gegensatzpaar ’Gemeinschaft’ und ‘Gesellschaft’ geprägt hat). Man muss kein Habermas-Freund sein (hier eine frühere Kritik seines philosophischen ‘nachmetaphysischen’ Selbstverständnisses), um diesen Beitrag sachlich weitestgehend verfehlt und vor allem stilistisch widerwärtig zu finden: Habermas hat uns nun als ein Scharlatan zu gelten, der mit seinem Nonsens die Jugend verführt und die Akademie despotisch beherrscht…
2009/06/09 um 12:07
Mmh, sachlich verfehlt kann ich den Beitrag nicht finden. Und eine solche kritische Würdigung als Beitrag zur Vielfalt ist auch eher eine Bereicherung. Festzustellen, dass Habermas an manchen Stellen unfair argumentiert, ist ja keine rocket science.
2009/06/11 um 07:56
Ich bin kein Habermas-Experte, aber selbst mit meinen Kenntnissen konnte ich in dem Beitrag eine ganze Reihe Misssverständnisse heraushören. Schade, dass das ganze dann diesen durchgehenden polemischen Unterton hatte: so hat es eben auch keinen Wert sich mit Tönnies Beitrag (@picodella: mir doch egal wer ihr Großvater war) auseinanderzusetzen, da es eben offensichtlich nicht um eine kritische Auseinandersetzung, sondern um Zerstörung geht. Besonders widerlich: der Vorwurf sprachlicher Unverständlichkeit in einem Beitrag, der sich vorne und hinten ähnlicher, wenn auch auf ungleich dümmere Weise, Formeln bedient.
2009/06/15 um 19:44
Eine verzerrende, vorsätzliche Unterbietung dessen, wodurch Habermas auch über Frankfurt hinaus einer Auseinandersetzung wert gewesen ist und bleibt:
Sprachbombast, Banalitätenproduktion, Vernebelungs-taktik statt Inhalt; lavierender Ekklektizismus statt Synthesewillen; Rettung der Linken durch Etablierung ihrer als hegemoniale Elite statt Selbstkritik und Entwicklung einer Position.
Nicht einmal „Neokonservative“ wie Lübbe oder Marquard würden sich wohl für so einen Schwachsinn hergegeben haben. Zugegeben: De Lübbe (semper)dubitandum est…
Wie auch immer:
Herzlichen Glückwunsch aus der Rembrandtstraße!
2009/06/23 um 09:25
gewiss, laudationes necesse sunt. – jedoch scheint die ffm-schule ja bewusst ihren weg in die nicht-verständlichkeit gewählt zu haben.
der marktplatz der filosofie polarisiert sich in exklusivität oder weichgespülter popularität.
die kernaussagen von tönnies sind korrekt. eine polemik von ihr ist nicht erkennbar. ihre gedankenlinie ist klar und stringent. sie führt das vielgesagte konsequent auf einige punkte zurück und stellt zwei pole her: diskurs im staat – kein diskurs, sondern selbsreferenz.
was ist zu beanstanden?
stilistisch ist der häufige gebrauch des anzumerken, da in der brd eben alles sehr oder sehr-sehr ist. wozu.