Vorträge über Husserl und die Phänomenologie
2009/05/30
De Hauptvorträge, die anlässlich des 150. Geburtstages von Edmund Husserl im Husserl-Archiv in Leuven gehalten wurden, sind als mp3-Dateien auf der Homepage des Archivs abrufbar. Es finden sich Vorträge in deutscher, englischer und französischer Sprache von internationalen „Experten“ in Phänomenologie, u.a von Marc Richir („Le sens de la phénomenologie“), Robert Sokolowski („Husserl on First Philosophy“) und Klaus Held („Gott in Husserls Phänomenologie“).
Auf den Vortrag von Rudolf Bernet („Transzendentale Phänomenologie“) möchte ich besonders hinweisen. Er präsentiert wunderbar grundsätzliche Überlegungen zu Notwendigkeit und Reichweite transzendentaler Phänomenologie. Primär geht es ihm um eine Verteidigung des Projekts einer transzendentalen Phänomenologie gegen seine übereilten Verächter unter den Phänomenologen und Post-Phänomenologen. Seine Vorstellungen laufen aber harmonisierend darauf hinaus, dass je nach Phänomen, das den Gegenstand der phänomenologischen Reflexion bildet, sozusagen drei Realisierungsstufen der Phänomenologie möglich sind: Es gibt Phänomene (der Sinnlosigkeit), die von ihrer Sache her die transzendentale Reflexion (der Sinnkonstitution) von sich notwendig abweisen; auf der anderen Seite des Spektrums gibt es Phänomene, die nicht nur eine transzendental-phänomenologische Analyse erlauben, sondern zudem noch eine eidetische Wesensverallgemeinerung vertragen. Es gibt somit nach Bernet drei legitime methodische Realisierungsstufen von Phänomenologie: 1) eine deskriptive, 2) eine transzendentale, 3) eine eidetische. Es ist aber wohl eine offene Frage, ob diese liberale Pluralisierung der Phänomenologie dem Anspruch der Phänomenologie gerecht wird: Wenn es ihr um die Phänomenalität schlechthin geht, könnte man sich wohl unschwer auch eine weniger liberal-pluralistische Phänomenologie vorstellen, die von der faktischen Erfahrung eines unaufhebbaren Entzugs eines spezifischen Phänomens in ihrem bestimmten methodischen Horizont sich dazu gedrängt fühlte, ihre Methode und das darin implizierte Verständnis von Phänomenalität als Ganze zu überdenken und umzustürzen.