Nach der Lektüre der letzten Kapitel, anstatt einer Zusammenfassung: ein persönliches Fazit. – Wie Dewey fruchtbar machen? Mein Eindruck ist, dass das Werk viele scharfsinnige und gute Intuitionen beinhaltet, dass aber Dewey nicht die Sprache (und vielleicht auch nicht das Interesse) hat, um diese Intuitionen auf eine Weise zu entfalten, die meine philosophische Begeisterung wecken würde. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass Dewey sehr tief im teilweise überholten Problemkontext seiner Zeit steckt – und gemäß seinem demokratisch-erzieherischen Selbstverständnis auch stecken muss. Er ist ein Philosoph des common sense, und vieles, was er gegen die zeitgenössischen Auffassungen polemisch in Stellung bringt, ist eben heute auch philosophischer common sense und deshalb nicht immer interessant. Ich rätsele noch, wie man heute an Dewey philosophisch anschließen kann: seine „Metaphysik“ erscheint mir überaus originell, aber falsch, oder zumindest in einer fälschenden Sprache verfasst (zu viele Zugeständnisse an die Naturwissenschaft, die in ihrer techne-Praxis sein leitendes Modell ist); seine philosophische Einstellung (Philosophie als Kritik, Reflexion in Hinblick auf eine bereicherte Erfahrung) scheint mir ebenfalls originell und in ihrer allgemeinsten Fassung auch zukunftsträchtig, aber in concreto durch die richtig (nämlich pragmatisch) gedeutete Wissenschaftspraxis determiniert, wodurch die meines Erachtens relevantesten philosophischen Fragen verloren gehen und ein eher flacher, nicht-kognitiver Erfahrungsbegriff zur Grundlage alles weiteren wird. Dabei gibt es im einzelnen viel Schönes und Inspirierendes zu entdecken. Aber wie über diesen Steinbruch-Charakter hinaus eine heutige philosophische Arbeit an Deweys Grundkonzept anschließt, möchte ich mir gerne zeigen lassen –  ich habe hier ein Imaginationsdefizit.

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