McDowell, Geist und Welt
2008/03/18
Kürzlich las ich die deutsche Übersetzung von John McDowells Mind and World (1996). Es ist dies das Vernünftigste, was ich bislang im Bereich der analytischen Philosophie kennengelernt habe. Die Grundidee McDowells ist für phänomenologische Ohren gar nicht spektakulär, und auch nicht schwer zu verstehen: Ein Denken, das sich als gegenüber der Erfahrung verantwortlich begreifen will, das also so etwas wie einen empirischen Inhalt haben will, darf Erfahrung nicht als reine Rezeptivität, die ein bloßes Gegebenes verschafft, begreifen, sondern als bereits in sich begrifflich verfasst. Wer diese Konsequenz einer begrifflichen Erfahrung, die in der philosophischen Tradition von Kant und Hegel auf paradigmatisch verschiedene Weise entfaltet wurde, nicht mittragen will, verstrickt sich in unüberwindbare philosophische Aporien und muss letztlich ein Denken der Erfahrung leugnen: In Donald Davidsons Kohärenztheorie etwa steht die Erfahrung in keiner rationalen, sondern nur noch in einer kausalen Beziehung zum Gedachten. Wenn man Davidson ansieht als einen der scharfsinnigsten und konsequentesten Denker der angelsächsischen Philosophie, die angetreten ist, entgegen dem spekulativen (“metaphysischen”) Rationalismus der (naturwissenschaftlichen) Erfahrung treu zu sein, dann ist die (zugegebenermaßen etwas verkürzende) Pointe die: dass das naiv empirisch sein wollende Denken in letzter Konsequenz im freischwebenden Denken landet.