Mitsein: ein Vorschlag zur Güte
2007/10/08
In § 26 von Sein und Zeit führt Heidegger MITSEIN als ein Existenzial des Daseins ein: Dasein ist wesenhaft an ihm selbst Mitsein, so die These. Weil aber Heidegger in diesem Kontext auch vom Mitdasein (d.h. von Anderen, die mit da sind) spricht, neigt man dazu, das Mit auf die Anderen zu beziehen: Die Anderen sind mit mir da, d.h. ich bin das perspektivische Zentrum, von dem aus die Anderen in ihrem Sein beurteilt werden: eben als Mitdasein. Das ist schon richtig, aber damit hat man die Existenzialität des Mitseins noch nicht begriffen: Das Dasein ist an ihm selbst Mitsein, d.h. nicht die Anderen sind primär mit mir (als dem Zentrum der Welt), sondern ich bin primär mit den Anderen! Ich bin das Mit, das existenzial in einem Bezug der Fürsorge für den Anderen steht. Wenn man das Mitsein also recht versteht, ist der Schritt zu Levinas (dessen Heidegger-Lektüre nicht sehr zuverlässig ist) kein großer mehr.